Substanz - Substanzerkenntnis
Substanz - ein Begriff, der durch die Zeiten von Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftlern benutzt und diskutiert wurde. Für die einen, besonders für die antiken Philosophen bis in die frühe Neuzeit hinein, war es selbstverständlich, dass dieses “zu Grunde Liegende” eine spirituelle, eine göttliche Herkunft hat.
Wieder andere erkannten darin, das der äusseren Erscheinung zugehörige Wesen, das innere Prinzip.
In neuerer Zeit bevorzugte man den neutraleren Begriff der Struktur, eine Kräfteform mit spezifischer Ordnung.
Wir greifen die Idee der Substanz wieder auf mit einem intensiv wahrnehmenden Blick auf die Erde und auf Alles, was gegeben ist, das göttliche Prinzip wie neu erarbeitend.
Ist das Göttlich-Geistige tatsächlich immanent dem, was der Mensch wahrnehmen kann, so ist es auch dem schöpferischen Geist des Menschen erkennbar als eben das Irdische, welches zwar eine geschaffene Gestalt hat, aber - ähnlich einem Neugeborenen - noch sein ganzes Zukunftspotential enthält.
In diesem Sinne ist alles, was man als substantiell erkennt, alles was einen Kern enthält, Ausgangspunkt für Entwicklung und durch den Menschen entwicklungsfähig.

Entsprechend gehört zur Methode der Substanzerkenntnis, bei der Wahrnehmung dessen zu beginnen, was wirklich existiert. Dieses Wahrnehmen bezieht sich nicht nur auf die Aussenseite, welche direkt sinnlich erlebbar ist, sondern auf die tiefere Struktur des Gegebenen, auf die verborgene Kosmologie.
Die dazu notwendigen Wahrnehmungs- und Erkenntniskräfte sind im Dialog mit den Tiefenkräften der Dinge zu entwickeln. Innerhalb dieses Prozesses wird der Mensch aufmerksam auf seine eigene menschliche Substanz und ihre Schlüsselstellung im Ganzen: Das Geistige im Menschen führt das Wesen der Substanz aus ihrer Vergangenheit in eine ihr gemässe nächste Entwicklungsphase hinein.
Idee der Substanzerkenntnis ist, dass der Mensch diese menschliche Substanz in seine eigene Verantwortung nimmt und weiter ausbildet in der Suche nach dem, was wirklich menschliche Qualität hat. Er entwickelt Kategorien seines Menschseins auf eine individuelle Art und verantwortet seine Entwicklungen mit allen Konsequenzen selbst.
Substanzerkenntnis geht in gleicher Weise nach innen (menschliche Substanz) und nach außen (geschaffene Substanz) und bringt diese in Beziehung.